Zwischen Fürsorge und Überlastung

Mit der Pflege eines Angehörigen ändert sich das Leben komplett – sowohl des Pflegebedürftigen als auch des Pflegenden. Pflegende Angehörige können mit enormen psychischen und körperlichen Belastungen konfrontiert sein. Wir geben Tipps an die Hand, wie Sie das Spannungsfeld zwischen Fürsorge und Überlastung gut meistern können.

Angehörigen kommt eine zentrale Rolle bei der häuslichen Pflege zu. Offiziell gelten in Deutschland rund 4 Millionen Menschen als pflegebedürftig, die meisten werden zu Hause durch eine oder mehrere nahestehende Personen gepflegt. Sie helfen bei der Körperpflege, beim Essen, der Medikamentenversorgung, der Mobilität oder beim Einkaufen. Das bedeutet oft eine große Herausforderung in punkto Lebensorganisation. Pflegende Angehörige gelten im Durchschnitt als physisch und vor allem psychisch stärker belastet als Menschen ohne diese Aufgabe – insbesondere, wenn sie sich um einen Menschen mit Demenz kümmern.

Keine freie Zeit mehr für sich selbst und fehlende soziale Kontakte, aber auch Schlafmangel und sonstige körperliche und psychische Beschwerden können die Folge sein. Kopf- oder Rückenschmerzen, Frustration, Niedergeschlagenheit und Einsamkeitsgefühle sind nicht selten und können bis hinein in eine Depression führen. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sind vorbeugende Maßnahmen wichtig.

Was im Einzelfall notwendig ist bzw. helfen kann, ist von mehreren Faktoren abhängig, unter anderem vom Pflegegrad der pflegebedürftigen Person, der persönlichen Lebenslage und den eigenen Bedürfnissen und Kräften. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte für eine Entlastung bei der Pflege.

Pflegeberatung

Pflegende Angehörige haben das Recht auf eine Pflegeberatung. In vielen Bundesländern haben Kommunen und Pflegekassen mittlerweile die so genannten Pflegestützpunkte eingerichtet, unter /www.zqp.de/beratung-pflege/ finden Sie eine Übersicht mit bundesweiten Adressen. Wichtig für Sie zu wissen: Während der Pflegeberatung ist ausdrücklich auf die Möglichkeit eines individuellen Versorgungsplans hinzuweisen. Anspruchsberechtigte erhalten damit eine umfassende Unterstützung bei der Klärung individueller Fragen.

In einigen Kommunen gibt es außerdem Senioren- oder Pflegeberatungsstellen direkt vor Ort. Dort können Angehörige sich über örtlichen Hilfeangebote informieren.

Telefonische Beratung erhalten pflegende Angehörige beim Pflegetelefon des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unter der Nummer 030 201 791 31. Außerdem gibt es das Bürgertelefon des Bundesministeriums für Gesundheit, zu erreichen unter der Telefonnummer 030 340 60 66 02, wo Sie Informationen zu den rechtlichen Rahmenbedingungen der Pflegeversicherung erhalten können.

Pflegekurse und Selbsthilfegruppen

Für pflegende Angehörige kann die Teilnahme an einem Pflegekurs körperlich und psychisch entlastend wirken. Die Kosten eines solchen Kurses übernimmt die Pflegeversicherung. Hier werden zum Beispiel Pflegetechniken vermittelt, um den Rücken zu schonen. Oder man kann lernen, entspannter mit dem demenzkranken Angehörigen umzugehen.

Emotional entlastend kann auch der Austausch mit anderen Angehörigen sein. Angehörigenkreise, Behindertenorganisationen und Selbsthilfegruppen bieten einen Ort für intensive Gespräche oder einen Erfahrungsaustausch. Adressen von Gruppen in Ihrer Nähe erfahren Sie zum Beispiel über www.nakos.de oder www.deutsche-alzheimer.de.

Finanzielle Hilfen

Pflege kostet Geld. Die Pflegekassen bieten zur Unterstützung der Pflege verschiedene Leistungen an, die Sie dort beantragen können. Dazu gehören Hilfsmittel wie Pflegebett und Duschhocker, Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen, Tagespflege, Kurzzeit- und Verhinderungspflege sowie professionelle Unterstützung durch Pflegedienste.

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten von ärztlich verordneter Behandlungspflege. Dazu gehören zum Beispiel das Stellen und die Verabreichung von Medikamenten, das An- und Ausziehen von Kompressionsstrümpfen und anderes.

Hat der Pflegebedürftige einen Schwerbehindertenausweis? Wenn nicht, unbedingt beantragen, den mit dem Ausweis sind bestimmte Vergünstigungen verbunden, wie zum Beispiel die freie Fahrt für Begleitpersonen in Bus, Bahn oder Taxi. Ihr Ansprechpartner für Fragen rund um die Schwerbehinderung ist das Versorgungsamt.

Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1 haben Anspruch auf den sogenannten Entlastungsbetrag für Alltagshilfen. Mit dem Entlastungsbetrag erstattet die Pflegekasse 125 Euro monatlich für anerkannte Unterstützungsangebote im Alltag. Der Entlastungsbetrag kann für verschiedene Entlastungsangebote eingesetzt werden, wie z.B. Betreuungsangebote, Angebote zur Entlastung der Pflegenden oder Angebote zur Entlastung im Alltag. Weil nur tatsächlich angefallene Kosten erstattet werden, müssen die Rechnungen gesammelt und bei der Pflegekasse eingereicht werden.

Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege

Ist die Pflege vorübergehend zu Hause nicht möglich, trägt die Pflegekasse bei anerkannter Pflegebedürftigkeit Pflegekosten bis zu 1.774  € pro Jahr für einen kurzzeitigen Aufenthalt in einer Pflegeeinrichtung (maximal für 8 Wochen im Jahr). Das ist notwendig, wenn eine pflegende Person vorübergehend ihren Aufgaben nicht nachkommen kann oder wenn eine pflegebedürftige Person zeitweise besonders intensive Pflege benötigt.

Fallen Pflegende für einen begrenzten Zeitraum aus, etwa wegen Krankheit oder Urlaub, finanziert die Pflegeversicherung unter bestimmten Voraussetzungen eine Ersatzpflegekraft entweder im Haushalt des Pflegebedürftigen oder in einer Pflegeeinrichtung. Bei Pflegegrad 2 bis 5 erhalten Sie eine Erstattung von bis zu maximal 1.612 Euro pro Jahr, dieser Betrag kann noch mit dem halben Betrag der Kurzzeitpflege aufgestockt werden. Den Pflegekassen sind zur Beantragung bzw. Abrechnung der Verhinderungspflege die Belege vorzulegen.

Pflegezeiten und Familienpflegezeit für Beschäftigte

Unter bestimmten Voraussetzungen können pflegende Angehörige für die Dauer von maximal 6 Monaten eine Pflegezeit beanspruchen. In dieser Zeit gibt es zwar kein Gehalt, einen Teil des Lohnverlustes kann man aber mit einem zinslosen Darlehen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ausgleichen.

Oder Sie nutzen die Möglichkeit der Familienpflegezeit: Hierbei können pflegende Angehörige ihre wöchentliche Arbeitszeit für die maximale Dauer von 2 Jahren auf bis zu 15 Stunden pro Woche reduzieren. Der Lohnverlust kann wiederum über ein zinsloses Darlehen des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) ausgeglichen werden.

Gesundheitsvorsorge

Für die eigene Gesundheit ist es wichtig, einen Ausgleich zu haben, eigenen Interessen nachzugehen und sich regelmäßig zu bewegen. Ob im Freundkreis, im Verein oder beim Kinobesuch, wer gerne unter Leute geht, sollte sich diesen Ausgleich weiterhin gönnen. Auch körperliche Aktivitäten wie Spazierengehen, Radfahren, Schwimmen oder die Teilnahme an Sportkursen sind geeignet, Stress abzubauen und den Körper zu stärken.

Pflegende Angehörige sollten sich zudem regelmäßig ärztlich untersuchen lassen, spätestens aber wenn Anzeichen für eine Überlastung bestehen. Der Hausarzt kann auch zu psychologischen und psychotherapeutischen Unterstützungsangeboten oder Rehabilitationsmaßnahmen beraten.

Einige Kranken- und Pflegekassen finanzieren pflegenden Angehörigen spezielle Kuraufenthalte, bei denen Pflegebedürftige oder behinderte Kinder mitreisen dürfen. Die Krankenkassen müssen bei der Bewilligung von Kuren und Vorsorgeleistungen die besonderen Belastungen pflegender Angehöriger berücksichtigen.

Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber.

Die Rente genießen, wo andere Urlaub machen

Immer mehr deutsche Rentner wandern im Alter aus. Im Jahr 2020 wurden insgesamt rund 250.000 Renten an deutsche Staatsangehörige im Ausland ausgezahlt. Oft spielen bei der Entscheidung für einen Ruhestandssitz im Ausland finanzielle Gründe eine Rolle, aber auch ein mildes Klima und schöne Landschaften locken.

Zwar bleiben die meisten Rentner mit dem Eintritt ins Rentenalter in ihrem Heimatland, tendenziell zieht es jedoch seit Jahren eine immer größer werdende Zahl an Ruheständlern in andere Länder. Die Globalisierung hat heutzutage manche bürokratische Hürde vereinfacht und den Weg zum Leben im selbstgewählten Altersparadies frei gemacht.

Auswandern im Alter? Wir sagen Ihnen, worauf zu achten ist, welche steuerlichen Aspekte berücksichtigt werden müssen und was die beliebtesten Auswanderungsziele der deutschen Rentner sind.

Gute Gründe, den Ruhestand im Ausland zu verbringen

Es gibt viele gute Gründe, den Ruhestand im Ausland zu verbringen. Einer der Hauptgründe ist der finanzielle Aspekt. Jahrelang wurde in die Rentenkasse eingezahlt, aber am Ende bleibt nur wenig zum Leben übrig. Steigende Medikamentengebühren, Kosten für Pflegepersonal sowie hohe Mieten und Nebenkosten beeinflussen die Entscheidung. In anderen Ländern sind die Lebenshaltungskosten bei gleichem Lebensstandard oft niedriger und versprechen ein sorgenfreies Leben. Für zahlreiche Rentner ein ausschlaggebender Punkt, Deutschland zu verlassen. Weitere Gründe für einen dauerhaften Umzug ins Ausland können steuerliche Vorteile sein, aber auch die politischen Verhältnisse.

Spielen die Finanzen eine untergeordnete Rolle, treten andere Überlegungen in den Vordergrund, z. B. ein angenehmes, mildes Klima mit wenigen Temperaturschwankungen, was die Alterskrankheiten lindern kann. Einige Rentner bevorzugen das „Teilzeit-Modell“, bei welchem sie vor allem in der kalten Jahreszeit in wärmeren Ländern überwintern. Denn viele Altersbeschwerden machen sich besonders im nasskalten Herbst- und Winterwetter bemerkbar. Aber auch ein vollständiger Umzug kommt für zahlreiche Ruheständler aus diesen Gründen infrage.

Die Entscheidung für einen Umzug wird oft dadurch befeuert, dass das gewählte Land den Auswanderungswilligen durch Urlaubsreisen bestens bekannt und liebgeworden ist. Die Sehnsucht nach dem ewigen Urlaub führt bei diesen Überlegungen Regie.

Wohnen Kinder und Enkel im Ausland, kann der Wunsch nach mehr gemeinsamer Zeit mit der Familie den Ausschlag für die Entscheidung zum Auswandern geben. Viele möchten jetzt ihre neue Freizeit im Ruhestand nicht alleine verbringen.

Und nicht zuletzt können auch im Alter Entdeckerlust und Abenteuerfreude ein entscheidender Grund für den Umzug ins Ausland darstellen. Die meisten Senioren sind heute fit genug und körperlich in der Lage, sich auf ein neues Abenteuer einzulassen. Die Qualität der medizinischen Versorgung ist in den letzten Jahren in vielen Ländern gestiegen, so dass die Entscheidung leichter fällt, ein neues Land, eine neue Sprache und andere Sozialstrukturen kennenzulernen.

Die beliebtesten Auswanderungsorte

Wer sich von rationalen Überlegungen leiten lässt, kann auf die Rankings schauen, die fast jährlich zu verschiedenen Aspekten erstellt werden. In die Untersuchungen fließen Lebenshaltungskosten, medizinische Versorgung, Kriminalitätsrate und Korruption sowie die generelle Sicherheit ein. Die Top-Fünf dieser Länder sind: Polen, Tschechien, Ungarn, Österreich und Spanien.

Die zahlenmäßig beliebtesten Ziele für deutsche Auswanderer im Ruhestand sind zwei Länder, welche direkt an Deutschland grenzen und klimatisch sowie gesellschaftlich wenig Unterschiede aufweisen – die Schweiz und Österreich. Innerhalb Europas folgen Spanien, Frankreich, die Niederlande und Italien. Ziele außerhalb Europas sind vor allem die USA und Kanada.

Auswanderungsagenturen, welche sich besonders auf die Auswanderung im Alter fokussiert haben, erstellen eigene Rankings der beliebtesten Länder im internationalen Vergleich – hier führt Portugal die Liste an. Es folgen Mexiko und Panama, Belize, Ungarn, Frankreich und Malta, Griechenland, Kolumbien, Thailand, Indonesien und Vietnam.

Voraussetzungen für die Auslandsrente

Grundsätzlich kann sich jeder die in Deutschland erworbene Rente auch ins Ausland überweisen lassen. Es gilt jedoch dabei, einiges zu beachten. Ziehen Sie für weniger als sechs Monate im Jahr um, ergeben sich keine Änderungen bezüglich des Rentenanspruchs. Auch bei einem vollständigen Umzug in ein EU-Land, sowie Island, Liechtenstein, Norwegen oder die Schweiz wird die volle Rente ausgezahlt. Hier werden lediglich die Bankgebühren für die Auslandsüberweisung abgezogen.

Bei Ländern außerhalb des EU-Raumes, mit denen Deutschland kein Sozialversicherungsabkommen hat, kommen möglicherweise Einschränkungen oder Abzüge hinzu. Bei einer Zahlung außerhalb der EU, kann es möglicherweise auch zu Wechselkursverlusten kommen.

Eine individuelle Prüfung und Beratung bei der Deutschen Rentenversicherung ist vor dem Umzug ins Ausland in jedem Fall erforderlich. Informieren Sie sich frühestmöglich!

Gut zu wissen: Bei Rentnern im Ausland findet eine jährliche Überprüfung über den Lebenszustand durch den Rentenservice statt. Die sogenannte Lebensbescheinigung muss durch die Deutsch Post AG an die Rentenversicherung zurückgesendet werden. Keine Bescheinigung wird in Ländern benötigt, wo die dortigen Behörden automatisch den Tod nach Deutschland melden.

Vorsicht Steuerfallen!

Ein dauerhafter Auslandsaufenthalt hat auch steuerliche Konsequenzen. Rentner sind in Deutschland dann nur noch beschränkt steuerpflichtig. Was aber nicht unbedingt ein Vorteil sein muss. Das bedeutet z. B., Sie haben u. U. keinen steuerfreien Grundfreibetrag und auch das Ehegattensplitting ist nicht möglich – um nur zwei Punkte zu nennen.

Wenn Sie in Belgien, Dänemark, Großbritannien, Irland, Italien, Kroatien, Niederlande, Österreich oder Polen wohnen, müssen Sie trotzdem eine Steuererklärung in Deutschland abgeben. Liegt der Wohnsitz jedoch Ländern wie z. B. Frankreich, Griechenland, Tschechien, USA u. a., muss in Deutschland in der Regel keine Steuererklärung abgeben werden, weil der Wohnsitzstaat das alleinige Besteuerungsrecht hat.

Es ist weiter möglich, dass doppelte Steuern hinzukommen, das bedeutet, dass sowohl Deutschland als auch der ausländische Staat die deutsche Rente besteuern dürfen.

Zu beachte ist außerdem: Eine private Altersvorsorge ist nur innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraumes beziehbar. Sollte der neue Wohnsitz außerhalb der EU liegen, muss die staatliche Förderung zurückgezahlt werden.

Das ist zu tun:

  • Falls Sie dauerhaft ins Ausland umsiedeln und mehr als 90 Prozent Ihrer Einkünfte aus Deutschland beziehen, stellen Sie unbedingt einen Antrag auf „unbeschränkte Steuerpflicht“, um weiterhin Vorteile wie den Grundfreibetrag und das Ehegattensplitting nutzen zu können – auch wenn Ihre Einkünfte unter dem Grundfreibetrag liegen.
  • Lassen Sie sich in jedem Fall individuell beraten, welche rechtlichen Bedingungen für einen Umzug ins Ausland gelten. Nutzen Sie dazu die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung.
  • Lassen Sie sich in steuerlicher Hinsicht von einem spezialisierten Steuerberater beraten.
  • Kontaktiere Sie Ihre Krankenkasse, um Ihren Versicherungsstatus im Ausland zu prüfen.
  • Teilen Sie Ihren Umzug den oben genannten Stellen mindestens drei Monate im Voraus mit.

Beachten Sie auch unsere Ratgeber zum Thema Rente und Vorsorge.

Warum sich Sonderzahlungen in die Rentenkasse 2022 besonders lohnen

Wenn es um die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) geht, denken viele nur an die Pflichtbeiträge: Wer angestellt ist oder in selbstständigen, besonderen schutzbedürftigen Berufen arbeitet, zahlt ohnehin Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung ein. Nur die wenigsten wissen aber, dass sie auch freiwillig Beiträge zahlen und so ihre Rente aufbessern können.

Wer eine Sonderzahlung in die Rentenkasse einzahlt, kann beispielsweise die Abschläge bei einer vorgezogenen Rente ausgleichen. Im Jahr 2022 lohnen sich die Einzahlungen besonders.

Die vorgezogene Rente ist eine Möglichkeit, vorzeitig aus dem Berufsleben auszuscheiden. Allerdings muss man dafür finanziellen Einbußen in Form von Rentenabschlägen in Kauf nehmen. Mit Sonderzahlungen kann man die Abschläge verringern. Aber auch, wenn man später doch nicht die vorgezogene Rente in Anspruch nimmt, sondern bis zur Regelaltersgrenze arbeitet, können sich Sonderzahlungen in die Rentenversicherung lohnen.

Wie viel sollte man in die Rentenkasse einzahlen?

Ab dem 50. Lebensjahr kann jeder auf Wunsch eine Rentenauskunft zum Ausgleich der Rentenminderung vom Rentenversicherungsträger erhalten. Sie informiert über die Rentenhöhe zum gewünschten vorzeitigen Rentenbeginn, die Höhe der daraus entstehenden Rentenminderung und über den Betrag, der zum Ausgleich der Rentenminderung geleistet werden kann.

Nach Erhalt der Rentenauskunft können Sie selbst entscheiden, ob und wie viel Sie als Sonderzahlung einzahlen wollen. Die Einzahlungen bzw. auch die Höhe der Einzahlungen ist freiwillig. Die Rentenabschläge müssen also nicht in voller Höhe ausgeglichen werden. Wer im Nachhinein doch nicht vorzeitig in Rente geht, erhält für die Zusatzbeiträge eine entsprechend höhere Rente.

Ein Beispiel: Sie erwarten eine monatliche Rente von 1.200 Euro und möchten zwei Jahre in Rente gehen. Hierfür müssen Sie einen Abschlag von 7,2 Prozent hinnehmen (24 x 0,3 Prozent). Ihre monatliche Rente verringert sich also um ca. 86 Euro. Um diesen Abschlag auszugleichen, müssten sie rund 21.000 Euro zusätzlich in die Rentenversicherung einzahlen. Falls Sie dann doch nicht früher in Rente gehen, erhöht sich Ihre monatliche Rentenzahlung um 86 Euro.

Wichtig: Die freiwilligen Beiträge in die Rentenkasse können nicht rückerstattet werden. Sie sollten das Geld hierfür als sicher zur Verfügung haben.

Wann Sie besonders über freiwillig Beiträge in die Rentenkasse nachdenken sollten

Sinnvoll sind freiwillige Beiträge vor allem bei unverhofftem Geldsegen, z. B. wenn Sie erben oder einen hohen Betrag aus einer Abfindung oder einer Lebensversicherung erhalten. Wann Sie einzahlen und ob Sie die Summe auf einmal oder in Teilen zahlen, sollten Sie gut überlegen und sich ggf. dazu beraten lassen.

Leisten Sie die Sonderzahlung bereits einige Jahre vor dem angestrebten, früheren Renteneintritt, sichern Sie sich die Rentenpunkte nach den jetzt gültigen Berechnungsgrundlagen für die Rente. Das kann sich lohnen, denn: Entwickelt sich die Wirtschaft in den nächsten Jahren weiter positiv, werden die Renten wahrscheinlich weiter steigen. Dann müssen Sie mehr Geld einzahlen, um einen Rentenpunkt zu erhalten und damit den Rentenausgleich zu finanzieren.

Weshalb jetzt ein guter Zeitpunkt für Sonderzahlungen ist

Das Rentenprinzip beruht auf einem Punktesystem. Die Deutsche Rentenversicherung gibt jährlich an, wie hoch das Durchschnittsgehalt für einen sogenannten Entgeltpunkt ist. Von den gesammelten Punkten ist die Höhe Ihrer zukünftigen Rente abhängig. Wenn Sie weniger als die angegebene Summe verdienen, wird nur der Teil eines Punktes gutgeschrieben, bei einem höheren Gehalt entsprechend mehr. Je nachdem könnten das also zum Beispiel 0,5 oder auch 1,5 Punkte sein.

2021 musste ein Arbeitnehmer jährlich 41.541 Euro verdienen, um einen vollen Rentenpunkt zu bekommen. Nach Angaben der Bundesregierung wurde das Durchschnittsentgelt 2022 vorläufig auf 38.901 Euro im Jahr festgesetzt, um einen ganzen Rentenpunkt zu erhalten. (Das kommt einer indirekten Rentenerhöhung gleich.) Sie bekommen als 2022 für weniger Geld mehr Rentenpunkte, die in die Berechnung Ihrer Rente einbezogen werden. Was auch bedeutet: Sie können durch eine freiwillige Sonderzahlung mehr Punkte erhalten, als noch im vergangenen Jahr.

Sondereinzahlungen auf mehrere Jahre verteilen

Es kann aber auch sinnvoll sein, die Sonderzahlungen auf mehrere Jahre zu verteilen. Denn die Beiträge zur Rentenversicherung können in der Steuererklärung abgesetzt werden – allerdings nur innerhalb bestimmter Grenzen. Der Höchstbetrag für das Jahr 2022 beträgt 25.639 €. Davon setzt das Finanzamt einen festgelegten Prozentsatz (2022 = 94 Prozent) an, der geltend gemacht werden kann, also 24.101 €. Dieser Wert bezieht sich auf die Gesamteinzahlung, also Pflichtbeiträge + Sonderzahlung. Liegen Sie darüber, wirkt sich das steuerlich nicht zu Ihrem Vorteil aus. Lassen Sie sich im Zweifel von der Deutschen Rentenversicherung beraten.

Für die Riester-Rente und andere Vorsorgeaufwendungen wie z.B. Krankenversicherungsbeiträge oder die Berufsunfähigkeitsversicherung gelten jeweils eigene Höchstbeträge.

Wann rentiert sich die Sonderzahlung?

Zu welchem Zeitpunkt sich der die Sonderzahlung in die Rentenversicherung in Form von (Netto-)Rentenzahlungen für Sie rentiert (also tatsächlich einen geldwerten Vorteil bringt), hängt von verschiedenen Faktoren ab, u. a. von Ihrem persönlichen Steuersatz während der Erwerbstätigkeit und später als Rentner.

Angenommen Sie zahlen während der Erwerbstätigkeit etwa 35 Prozent Einkommensteuer und während der Rente noch 20 Prozent, dann hat sich Ihre Einzahlung von 21.000 Euro nach gut 17 Jahren Rentenbezug gelohnt. Bei einem frühen Tod hätte zumindest ein Hinterbliebener eine höhere Rente, insofern er bezugsberechtig ist.

Beachten sollten Sie auch, dass die Alternativen für eine gewinnbringende Geldanlage derzeit recht überschaubar bzw. mit einem höheren Anlagerisiko verbunden sind. Nach Modellrechnungen der Deutschen Rentenversicherung Bund liegt die Rendite bei der Rentenversicherung längerfristig bei 2 bis 3 Prozent – wenn das gesamte Leistungspaket berücksichtigt wird (also zum Beispiel auch die relative Absicherung des Erwerbsminderungsrisikos sowie die Hinterbliebenenrenten).

Altersvorsorge in der Steuer auf einen Blick

 

Form der Altersvorsorge Wie funktioniert die Besteuerung? Relevanter Abschnitt der Steuererklärung Maximal absetzbar (Single, Stand 2022)
Gesetzliche Renten­versicherung In Ansparphase teils von der Steuer absetzbar, Besteuerung in Auszahlungsphase Anlage Vorsorgeaufwand 24.101 € (94 % von 25.639 €)
Rürup-Rente Steuervorteile in der Ansparphase, Besteuerung in Auszahlungsphase Anlage Vorsorgeaufwand 24.101 € (94 % von 25.639 €)
Betriebliche Altersvorsorge Steuervorteile in Ansparphase, Besteuerung in Auszahlungsphase Anlage Vorsorgeaufwand unterhalb der Beitragsbemessungsgrenze bis zu einer Höhe von 8 Prozent oder vollständig steuerfrei
Riester-Rente Steuervorteile bzw. Zulagen in der Ansparphase (siehe Günstigerprüfung), nachgelagerte Besteuerung in Auszahlungsphase Anlage AV 2.100 €
Risikolebens­versicherung als Sonderausgabe steuerlich absetzbar, Erträge werden besteuert (Ausnahme: Verträge von vor 2005) Anlage Vorsorgeaufwand 1.900 oder 2.800 € (sofern noch nicht durch andere Sonderausgaben ausgeschöpft)
Kapitallebens­versicherung als Sonderausgabe steuerlich absetzbar, wenn Vertrag vor 2005 geschlossen wurde, Erträge werden besteuert (Ausnahme: Verträge von vor 2005) Anlage Vorsorgeaufwand 1.900 oder 2.800 € (sofern noch nicht durch andere Sonderausgaben ausgeschöpft)

Quelle: https://www.transparent-beraten.de/altersvorsorge/steuer/

Beachten Sie auch unsere Ratgeber zum Thema Rente und Vorsorge.

Vegan leben und einkaufen

Bis zu 2,6 Millionen Menschen leben in Deutschland vegan – Tendenz steigend. Grund genug, sich einmal mit veganem Leben und veganem Einkaufen zu beschäftigen.

Tierische Produkte meiden, ethisch handeln und nachhaltig leben – das ist die Idee hinter dem veganen Leben. Veganer und Veganerinnen meiden in der Regel alle Produkte, in denen tierische Bestandteile vorkommen. Die Idee dieser Lebensweise: Ethischer zu handeln, weil keine Tiere getötet oder gequält werden müssen, um das eigene Leben zu ermöglichen. Hinzu kommt der Nachhaltigkeitsaspekt: Fleisch aus Massentierhaltung und Milchprodukte belasten das Klima. Nicht zuletzt ist mit dem veganen Leben oft auch die Hoffnung auf eine gesündere Ernährung verbunden.

Vegan bei Kosmetik und Reinigung

Wer den veganen Einstieg ins Leben wagt, wird feststellen, dass viele Kosmetik- und Putzmitteln tierische Inhaltsstoffe enthalten oder in Tierversuchen auf ihre Verträglichkeit getestet wurden.

Ist beim Lippenstift z. B. Kamin oder E 120 auf der Liste der Inhaltsstoffe zu lesen, dann wurde die Farbe aus den Panzern von Schildläusen gewonnen. Ein anderes Beispiel: Kollagen. Auch hier handelt es sich um ein tierisches Protein, das meist von Schlachttieren stammt. Auch Wollwachs oder Lanolin ist nicht vegan – es wird aus Talgdrüsen gewonnen. Cera flave bzw. E 910 ist Bienenwachs – wird also dem Bienenvolk weggenommen.

Aber wer soll sich bei all den Inhaltsstoffen auskennen? Eine gute Möglichkeit festzustellen, ob Produkte vegan sind, sind zusätzliche Siegel, die auf der Verpackung gut sichtbar aufgebracht sind. Diese Siegel werden von verschiedenen Organisationen vergeben und sind geschützt. Wer sie verwendet, muss nachgewiesen haben, dass die Produkte wirklich vegan, bio oder tierversuchsfrei sind. Einige Supermärkte kennzeichnen Ihre Produkte mit eigenen Siegeln, die jedoch weniger streng bei der Vergabe vorgehen. Eine Liste wichtiger Siegel finden Sie am Ende des Beitrags.

Für den Check der Inhaltsstoffe gibt es außerdem verschiedene Apps auf dem Markt, die beim Einkaufen helfen. So z. B. die App „CodeCheck“, mit der sich im Supermarkt oder in der Drogerie die Produkte einfach durch das einscannen des Barcodes untersuchen lassen. Ist der Begriff „vegan“ in der App ausgewählt, zeigt diese unkompliziert an, ob ein Produkt vegan ist oder nicht. Nachteil: Man benötigt zwingend mobiles Internet und Hausmarken oder neue Produkte sind meist nicht gelistet.

Zusätzliches Plus: Mit dieser App kann der Kunde ganz nebenbei auch einen Nachhaltigkeitscheck machen. Denn viele Produkte sind zwar vegan, enthalten aber trotzdem bedenkliche Inhaltsstoffe, beispielsweise Aluminium, schwer abbaubare Polymere (Mikroplastik) oder Isoparaffine. Polymere machen eine Creme geschmeidig, im Wasser sind sie jedoch eine Umweltbelastung, denn die Stoffe werden in den Kläranlagen nicht immer vollständig herausgefiltert und landen später im Nahrungsmittelkreislauf von Tier und Mensch. Isoparaffine als Inhaltsstoffe in Cremes oder Make-up halten die Haut in einem guten Zustand, verhalten sich im Abwasser jedoch wie ein Lösungsmittel, das andere Stoffe zersetzt.

Tipp: Für die Reinigung braucht es meist gar keine Chemie: Soda und Natron sind vegan und tierversuchsfrei und stehen den Spezialprodukten kaum nach. Auch Kosmetika lassen sich mit wenigen Mitteln selbst herstellen. Hierzu gibt es verschiedene Internetseiten, auf denen man stöbern kann, z. B. www.smarticular.net.

Vegan beim Wohnen und bei der Kleidung

Das Lieblingskleid aus Seide, die Outdoorjacke mit Bienenwachs versiegelt oder die Knöpfe der Strickjacke aus Horn. – Nicht nur für die Ernährung müssen Millionen Tiere ihr Leben lassen, auch Leder, Pelze oder Federn sind begehrte Produkte, Wolle und Horn ebenfalls. Es lohnt sich deshalb, bei der täglichen Kleidung und bei der Wohnungsausstattung auf tierische Stoffe zu achten. Viele Materialien lassen sich heute schon mit veganen Alternativen ersetzen. In den letzten Jahren wurde auf dieser Ebenen viel experimentiert und neue Stoffe entwickelt.

Seide kann man heute z. B. mit weicher Soja-Seide ersetzen, die als Nebenprodukt bei der Tofu-Herstellung anfällt. Sie besteht aus Soja-Proteinen und hat ähnliche Eigenschaften wie echte Seide, zudem ist sie in der Herstellung günstiger.

Andere neue Materialien für Stoffe bestehen aus Fasern von Algen, Buchen oder Eukalyptus, Brennnessel, Hanf oder Bambus.

Leder wird heute in der Möbelindustrie oft durch Kork ersetzt, auch Ananasleder ist eine gute Alternative. Es wird aus den Blättern der Ananaspflanze hergestellt, die früher einfach weggeworfen wurden. Ein Problem für Veganer: Das Patch am Bund von Jeans – welches bei den meisten Herstellern immer noch aus echtem Leder hergestellt wird.

Recycling-Produkten kommt zunehmend eine größere Rolle für die Herstellung von veganen Schuhen oder Taschen zu. Aus alten Autoreifen, PET-Flaschen oder Teppichen lassen sich interessante alternative Stoffe herstellen. Hauptsächlich werden allerdings Bio-Baumwolle, Bambus, Kork oder Naturkautschuk verwendet.

Aufpassen sollte man bei Jacken mit Fellen oder Isolierung mit Daunen, welches ja auch tierische Produkte sind. Auch hier gibt es Alternativen: Kunstfell erkennt man z. B. daran, dass die Haare alle gleich lang sind. Bei der Isolation von Winterjacken kann man ebenfalls synthetische Fasern verwenden.

Probleme machen meist die Klebstoffe, welche für Schuhe, Jacken oder Taschen benötigt werden, denn sie enthalten in der Regel tierische Stoffe wie Mich, Knochen oder Tierhäute. Bei veganer Kleidung setzt man auf synthetische Leime oder Stärken. Hier den Durchblick zu erhalten, gelingt allerdings nur mit einem Vegan-Siegel.

Vegan essen

Um auf Käse, Michl, Eier, Fleisch und Fisch völlig zu verzichten, braucht man mehr als gute Gründe. Das Argument „da ist aber gesund“ zieht nicht immer. – Denn leben Veganer überhaupt gesünder? Mehrere Studien haben gezeigt, dass zumindest Fleischverzicht vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und verschiedenen Krebserkrankungen schützen kann. Veganer sind zudem seltener übergewichtig und nehmen meist mehr Ballaststoffe und ungesättigte Fette zu sich.

Allerdings: Steuern Veganer nicht mit bewusster Nahrungsauswahl dagegen, fehlen ihnen schnell verschiedene Proteine, Vitamin B12, Kalzium, Eisen, Selen und Jod. Die Folgen der Mangelernährung sind u. U. Blutarmut, Schädigung des Rückenmarks, Schilddrüsenvergrößerung oder schlechtere Immunabwehr. Gerade bei Kindern kann es zu Wachstumsverzögerungen und Entwicklungsstörungen des Nervensystems und des Skeletts kommen. Daher wird für Kinder sowie für Schwangere und Stillende eine vegane Ernährung generell nicht empfohlen. Für alle anderen gilt: Bei veganer Ernährung ist ein ausgetüfftelter Speiseplan sowie die Ergänzung von Vitamin-B12-Präparaten wichtig.


5 wichtige vegane und nachhaltige Siegel:

Veganblume: Von Cociety England. Inhaltsstoffe, Produktionsprozesse und Produkte müssen vegan und tierversuchsfrei sein.

PETA-approved vegan: Label für vegane Kleidung von der Tierschutzorganisation PETA

Vegan ohne Gentechnik: Bekanntes Veganes Label der European Vegetarian Union (EVU), auch Gentechnik ist hier untersagt.

Vegan und Bio: Prüfung wird von Vegorganic e. V. jährlich durchgeführt. Produkte mit diesem Siegel müssen vegan und bio sein.

Leaping Bunny: Internationales Siegel für Unternehmen, welche keine Tierversuche durchführen, beauftragen oder sich daran beteiligen.

Schützende Hand: Produkte mit diesem Siegel sind ohne Tierversuche hergestellt, sind jedoch nicht zwingend vegan

 

5 Apps für eine vegane und nachhaltige Lebensart:

Codecheck:

Barcode-Scanner für den Supermarkt. Kostenlos für Android oder iOS. Mit Werbeschaltungen.

Kosmetik ohne Tierversuche:

Diese App zeigt Kosmetikmarken an, die mit Tierversuchen in Verbindung stehen (denn nicht überall sind Tierversuche verboten). Kostenlos nur für Android.

PETA zwei:

Veganer Einkaufsführer der Tierschutzorganisation PETA. Kann nach Supermarktketten oder Kategorien durchsucht werden. Erleichtert den Umstieg in die vegane Lebensweise. Kostenlos für Android oder iOS.

Happy cow:

Veganer Restaurantführer. Weltweit werden vegane Restaurants, Hotels usw. am gewählten Standort angezeigt. Über 100.000 Einträge sollen es bereits sein. Kostenlos für Android oder iOS.

Vegan Passport:

Diese App übersetzt die persönlichen Essenspräferenzen in 78 Sprachen. Lebensmittel sind entsprechend mit Bildern versehen. Kostenlos für Android oder iOS.


Weitere Tipps rund ums Einkaufen finden Sie in unserem Ratgeber “Günstig einkaufen“.

Minimalinvasive Therapie an der Bauchaorta

Aneurysma_Bauchaorta

Aussackungen der Bauchschlagader entstehen unbemerkt und enden oft tödlich. Ein neues Higtech-Verfahren, bei dem Gefäßstents eingesetzt werden, verhindert bei einem Aneurysma, dass die Schlagader reißt.

Aneurysma – die schleichende Gefahr

Ein Aneurysma entwickelt sich schleichend, verursacht keine Beschwerden und kann doch tödlich sein. Dabei handelt es sich um die Aussackung einer Hauptschlagader – hauptsächlich im Bauchraum oder im Gehirn, aber auch am Herzen. Die Gefäßwand dehnt sich allmählich auf wie ein Luftballon, wird dünner und droht zu platzen. – Dann besteht Lebensgefahr!

Generell kann ein Aneurysma an jeder Arterie auftreten. Am häufigsten entsteht es im Bauchbereich an der Hauptschlagader, es kann aber auch auf Höhe der Brust und an Hirngefäßen auftreten. Nach einem Herzinfarkt kommt es manchmal zu einer Aussackung an der Herzwand (Herzwand-Aneurysma). Liegt das Aneurysma im Bauchraum, an den Arm- oder Beinarterien, kommt es häufig zu einem Blutgerinnsel (Thrombus). Löst dieses sich ganz oder auch nur teilweise und wird mit dem Blutfluss weitertransportiert, kann es andere Gefäßabschnitte verstopfen. In diesem Fall sprechen Ärzte von einer Embolie.

Männer am häufigsten betroffen

Betroffen von einem Aneurysma sind vier bis acht Prozent aller Männer über 65 Jahre und 0,5 bis 1,5 Prozent der Frauen ab diesem Alter. Die Gefahr, dass die örtlich begrenzte sack- oder spindelförmige Auswölbung platzt, ist bei Frauen allerdings größer. Hauptursache ist Arteriosklerose. Risikofaktoren sind Rauchen, Bluthochdruck, koronare Herzkrankheit und eine familiäre Vorbelastung. Ältere Menschen sind aufgrund der altersbedingten Gefäßverkalkung eher gefährdet. Die Gefahr eines Risses wächst mit dem Durchmesser des Aneurysmas. Bei Männern wird es ab 5 bis 5,5 cm kritisch, bei Frauen ab 4,5 bis 5 cm.

Nicht selten ist die Diagnose “Aneurysma” ein Zufallsbefund, z. B. wenn der Hausarzt ein Ultraschall das Bauches vornimmt oder der Orthopäde die Wirbelsäule röntgt. Aneurysmen der Bauchaorta verursachen meist keine Beschwerden. Wenn doch, treten oft folgenden Symptome auf: Nagender Schmerz im Unterbauch oder im unteren Rücken, manche Betroffene verspüren eine pulsierende Beule im Bauch oder die Verdauung spielt verrückt – mit abwechselndem Durchfall und Verstopfung.

Bessere Chancen für eine Früherkennung haben jetzt Männer über 65 Jahren. Seit 2018 zahlt die Krankenkasse für sie ein Ultraschallscreening als Vorsorgeuntersuchung. Die Untersuchung kann von Hausärzten, Internisten, Gefäß- oder Allgemeinchirurgen sowie von Radiologen oder Urologen vorgenommen werden und dauert nur wenige Minuten. Studien aus anderen Länder zeigen, dass diese Maßnahmen erfolgreich sind, die Zahl der Rupturen, der Notfalloperationen sowie der Todesfälle kann damit eindeutig gesenkt werden.

Allerdings wird eine weitere Risikogruppe bisher vernachlässigt: Frauen über 65 Jahren, die rauchen. Sie habe ein noch höheres Risiko als gleichaltrige Männer. Experten fordern daher, auch Frauen künftig in die Vorsorge einzuschließen.

EVAR – die minimalinvasive Therapie

Ist die Gefäßaussackung erst einmal entstanden, bildet sie sich nicht von allein zurück. Erhöhter Blutdruck treibt den Prozess voran und begünstigt die Gefäßaussackung. Jetzt heißt es, die Erkrankung im Blick behalten, das Fortschreiten der Gefäßaussackung bremsen und gegebenenfalls rechtzeitig operieren. Die meisten Aneurysmen müssen lediglich in bestimmten Intervallen per Ultraschall kontrolliert werden. Werden die Aneurysmen jedoch zu groß, ist unter Umständen eine OP notwendig.

Mit der endovaskulären Aortareparatur (EVAR) kann der Eingriff heute auch minimalinvasiv erfolgen. Hierbei führt der Gefäßspezialist einen Stent, der in einem Einführungskatheter zusammengefaltet ist, unter Röntgenkontrolle zur Aussackung. Der Stent schient das Aneurysma von innen und bildet ein neues Flussbett für den Blutstrom. Die Gefahr, dass das Gefäß platzt, ist damit gebannt.

Voraussetzung für einen erfolgreichen Eingriff ist ein erfahrenes chirurgisches Team und idealer Weise ein Operationssaal, der für Aortenchirurgie konzipiert ist. Vorreiter ist hier die Heidelberger Universitätsklinik, die bereits 2010 einen ersten gefäßchirurgischen Hybrid-OP eröffnete. Der Saal ermöglichst es, bei auftretenden Komplikationen schnell vom minimalinvasiven Eingriff auf die traditionelle offene Chirurgie zu wechseln.

Nicht zuletzt entscheidet auch eine gute Vorbereitung über den Erfolg der Behandlung. Heute kann die Bauchschlagader per Computertomografie und mittels Spezialsoftware millimetergenau vermessen werden, um den Stent optimal zu platzieren. Der Stent sollte im gesunden Abschnitt der Aorta oberhalb des Aneurysmas verankert werden. Außerdem bestimmt eine Planungssoftware Art und Größe der Endprothese.

War der Eingriff erfolgreich, ist die Gefahr der Ruptur gebannt. Jedoch muss der Patient lebenslang zu regelmäßigen Kontrollen per Ultraschall oder CT, um eine eventuelle undichte Stelle an der Landungszone des Stents auszuschließen. Trotz dieser Einschränkung entscheiden sich Chirurgen nach Möglichkeit für den minimalinvasiven Weg, da er schonender ist, des Infektionsrisiko kleiner bleibt und die Erholungszeit des Patienten kürzer ist.

Bei einer konventionellen OP wird in der Regel eine Kunststoff-Gefäßprothese (Interponat) eingesetzt, um das Aneurysma zu beheben. Dabei wird die Gefäßwand des betroffenen Abschnitts der Aorta aufgeschnitten und das Kunststoffstück mit den noch intakten Endstümpfen der Schlagader vernäht.

Aneurysma-Ursachen

Ein Aneurysma ist häufig Folge einer Arterienverkalkung (Arteriosklerose), die oft durch Bluthochdruck oder starkes Rauchen hervorgerufen wird. Die Gefäßwand wird starr und verliert ihre Elastizität. Mit der Zeit kommt es durch den hohen Blutdruck im Gefäß dann zu einem Aneurysma in Form einer sackartigen Erweiterung. Manchmal ist das Phänomen auch die Folge von Infektionen oder Entzündungen. Und in seltenen Fällen ist es angeboren, bspw. durch Bindegewebsstörungen oder eine Fehlbildung der Blutgefäße.

Wie lässt sich einem Aneurysma vorbeugen?

Eine gezielte Vorbeugung gibt es nicht. Es hilft allerdings auch hier, Risikofaktoren wie das Rauchen zu vermindern und einen generell gesunden Lebensstil zu pflegen. Dazu gehört eine ausgewogene, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse und körperliche Bewegung. Beispielsweise reichen bereits zwei- bis dreimal pro Woche je dreißig Minuten Radfahren oder Schwimmen, um das Risiko für Gefäßerkrankungen zu verringern.

Mehr Informationen? Beachten Sie auch unseren Ratgaber zum Thema Aneurysma.

Corona als Booster für RNA-Impfstoffe gegen Krebs

 

Aufgrund der Corona-Pandemie haben die mRNA-Impfstoffe den Durchbruch geschafft. Fast jeder weiß heute, was ein mRNA-Impfstoff ist. Neu ist dieser Ansatz jedoch nicht – denn die mRNA-Technik kommt eigentlich aus der Krebsforschung. COVID hat jetzt jedoch den Beleg dafür geliefert, dass mRNA-Impfstoffe eine wirksame und sichere Technologie für Millionen Menschen sein können.

Schon seit über 20 Jahren beschäftigt sich die Krebsforschung mit der messenger RNA oder kurz: mRNA-Technik. Nicht nur bei COVID, auch im Bereich der Krebsimmuntherapie macht diese Technik immer größere Fortschritte. Ziel der Technik ist es, die bösartigen Zellen zu erkennen und zu zerstören.

Bei dem Kampf gegen Krebs ist die Herausforderung jedoch wesentlich größer, als bei der Impfung gegen ein Virus. Einen klar umrissenen Angriffspunkt wie das Spike-Protein bei COVID-19 sucht man beim Krebs vergebens und die DNA-Mutationen der Krebszellen gestalten sich von Patient zu Patient unterschiedlich. Es gibt nicht den einen Feind oder das eine Virus. Moderne mRNA-basierte Krebstherapien müssen deshalb individuell auf den jeweiligen Patienten angepasst werden.

An dieser Stelle kommen die individualisierten mRNA-Krebsimpfstoffe ins Spiel. Für ihre Herstellung wird eine Gewebeprobe des Tumors entnommen und gemeinsam mit der DNA des Patienten analysiert. So werden Mutationen identifiziert, die die Krebszellen von gesunden Zellen unterscheiden.

mRNA-Impfung hilft Immunsystem auf die Sprünge

Für die individuelle Therapie suchen die Forscher zunächst nach typischen Eiweißen, die Krebszellen verraten können. Eigentlich sind Krebszellen durchaus auffällig im Vergleich zu gesunden Zellen. Das Problem, warum sich Krebszellen lange Zeit unbemerkt vermehren können, ist jedoch, dass das Immunsystem diese Zellen nicht von allein erkennt. Um dem Immunsystem auf die Sprünge zu helfen, nutzen die Forscher die mRNA-Technik: Sie stecken die entschlüsselten Informationen der Krebszellen als eine Art Bauplan in die mRNA. Dann werden kleine Eiweißstücke von eben diesen Krebszellen hergestellt und verimpft. Der Körper erkennt daraufhin die Zellen als fremd und bekämpft sie. Man kann sich das wie eine biologische Software vorstellen.

War die Impfung erfolgreich, stellt der Körper anschließend eigene Krebsproteine her. Diese sind nicht gefährlich, sondern nur eine Erkennungsmarke für die schädlichen Krebszellen. So kann das Immunsystem identifizieren, was ist eine Krebszelle und was ist eine gute Zelle ist. Bei der Krebszelle kommt dann die entsprechende Immunantwort: Die T-Zellen des Immunsystems – also die weißen Blutkörperchen, die Viren bekämpfen – werden von der Boten-RNA so geschult, dass sie bis zu 20 verschiedene Mutationen erkennen und die entsprechenden Krebszellen zerstören können.

Das ist ein genialer Trick. Denn der Krebs signalisiert dem Immunsystem normalerweise, dass es sich ruhig verhalten soll. Ziel des mRNA-Vakzins ist es, das System wieder in Alarmbereitschaft zu versetzen und ihm die nötigen Informationen über die Tumorzellen zu geben, damit es damit beginnen kann, sie anzugreifen. Die Idee hinter dieser Therapie ist also, unser eigenes Immunsystem als Waffe gegen den Krebs einzusetzen. Das ist keine uniformierte Behandlung, sondern eine extrem individuelle und hochspezifische Therapie.

Obwohl diese Art der Therapie sehr vielversprechend klingt, darf man nicht vergessen, dass die Entwicklung dennoch erst am Anfang steht. So unmittelbare Erfolge wie beim COVID-19-Impfstoff wird man nicht gleich sehen. Einer Zulassung von mRNA-Impfstoffen zur Behandlung von Krebs werden Jahre voller Tests und klinischer Studien vorausgehen. Sie werden nicht in derselben Rekordzeit verfügbar sein, wie es die COVID-19-Impfstoffe dank Notfallzulassung waren.

Ein großer Unterschied zwischen Krebsimpfstoffen und COVID-19-Vakzin ist vor allem auch die Einsatzart. Bei COVID-19 sollen die Menschen vor einer Infektion mit dem Virus geschützt werden: Dem Immunsystem wird eine Vorschau auf das Spike-Protein des Virus gezeigt, sodass es weiß, was und wo es angreifen muss, wenn es auf den echten Erreger trifft. Im Gegensatz dazu sind die mRNA-Krebsimpfstoffe zur Behandlung der bereits bestehenden Krankheit gedacht. Sie sollen das Immunsystem des Patienten dazu bringen, Tumorzellen anzugreifen, die schon im Körper existieren.

Kann die Krebsforschung durch die Corona-Pandemie profitieren?

Zuerst war es anders herum. In der Corona-Pandemie konnte man sehr viel von den Erfahrungen aus der Krebsforschung profitieren. Sonst hätte der Impfstoff nicht so schnell entwickelt werden können. Innerhalb weniger Wochen, nachdem das Erbgut des Virus entschlüsselt war, war der Impfstoff bereits fertig. Er musste dann “nur noch” klinisch getestet werden.

Wir haben in der Pandemie also stark von den Erkenntnissen der Krebsforschung profitiert. Die Hoffnung ist jetzt, das die Krebsforschung im Nachhinein auch von der Pandemie profitiert. So können Forscher jetzt auf zahlreiche Daten zugreifen, die sie sonst nicht so schnell hätten sammeln können. Beispielsweise wurden Verträglichkeit und Nebenwirkungen von mRNA-Impfstoffen intensiv dokumentiert.

Perspektive dieser Krebstherapie

Es ist nicht davon auszugehen. dass Boten-RNA das Allheilmittel gegen jede Form von Krebs sein wird. Aber die Kombination macht’s: Die Forscher untersuchen daher die Wirksamkeit von mRNA-Vakzinen in Kombination mit immunbasierten Therapieformen wie Immun-Checkpoint-Inhibitoren, die die Krebszellen daran hindern sollen, die körpereigene Abwehr zu unterdrücken. Oder der adoptiven T-Zell-Therapie, bei der T-Zellen aus dem Blut des Patienten entnommen und genetisch so verändert werden, dass sie nach der Rückführung Tumorzellen erkennen und zerstören können.

Bisher gibt es noch wenige Studien zur Anwendung von mRNA-Krebsimpfstoffen am Menschen, doch diese geben Anlass zur Hoffnung. In einer Phase I-Studie wurde eine Kombination aus Boten-RNA und Immun-Checkpoint-Inhibitoren zur Behandlung von Kopf-Hals- und Dickdarmkrebs getestet. Mit der Behandlung schrumpften bei fünf von zehn Patienten mit Kopf-Hals-Karzinomen die Tumore. Bei zwei der Probanden konnten bei der abschließenden Untersuchung keine Krebszellen mehr nachgewiesen werden. Unter den 17 getesteten Dickdarmkrebs-Patienten jedoch zeigte die Kombi-Behandlung bei keinem eine Wirkung. Vermutlich, weil bei Dickdarmkrebs die Krebszellen besser im Körper versteckt sind. Hier reicht es nicht aus, dem Körper zu zeigen, wie die Krebszelle aussieht.

Auch Studien an Tieren liefern vielversprechende Ergebnisse: Hier wurde z. B. eine Kombination aus mRNA-Impfstoff und einem Immun-Checkpoint-Inhibitor-Medikament an Mäusen mit Brustkrebs getestet. Das Wachstum der Tumore im Lymphgewebe der Mäuse ließ durch die Behandlung stark nach. Bei 40% der Tiere entwickelten sich die Tumore komplett zurück.

Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut rechnet damit, dass es in Deutschland in frühestens fünf Jahren eine erste Zulassung für mRNA-Impfstoff gegen Krebs gibt. Aktuell werden in Deutschland 17 klinische Studien gegen Lungen-, Prostata- oder Hautkrebs dazu durchgeführt. Also sehr spezielle Krebsarten. Doch man ist jetzt optimistischer, weil man einige Daten zu den Nebenwirkungen und zur Verträglichkeit hat. Jetzt wird sich zeigen, wie schnell es gelingen kann, eine Impfung gegen Krebs zu entwickeln.

Aktuelle Broschüren zu Gesundheitsthemen finden Sie in unserer Themenübersicht.

 

Mehrgenerationenhaus und Mehrgenerationenwohnen

Gemeinsames Wohnen im Alter

Mehrgenerationenhaus bzw. Mehrgenerationenwohnen ist die moderne Interpretation der Großfamilie: Menschen aus allen Generationen begegnen sich, verbringen ihre Freizeit miteinander, helfen einander und wohnen gegebenenfalls auch miteinander. Inzwischen gibt es in Deutschland über 500 Mehrgenerationenhäuser. Erfahren Sie mehr zum Konzept von Mehrgenerationenhäusern und Mehrgenerationenwohnen.

Was ist der Unterschied?

Das Mehrgenerationenhaus ist vom Bundesfamilienministerium mit einer klare Definition umrissen: Mehrgenerationenhäuser sind Begegnungsorte, an denen das Miteinander der Generationen aktiv gelebt wird. Sie bieten Raum für gemeinsame Aktivitäten und schaffen ein nachbarschaftliches Füreinander in der Kommune. Es geht also vorrangig um gemeinsame Begegnungen und Aktivitäten, nicht um gemeinsames Wohnen.

Ein Mehrgenerationenhaus kann das Leben in der Nachbarschaft generationenübergreifend bereichern. Es steht allen Menschen offen – unabhängig von Alter oder Herkunft. Jede und jeder ist willkommen und kann sich einbringen (über 20.000 Freiwillige tun das bereits). Bundesweit nehmen rund 530 Mehrgenerationenhäuser am Bundesprogramm “Mehrgenerationenhaus. Miteinander – Füreinander” teil, welches 2021 startete und gefördert wird.

Das Angebot in den Räumen ist meist sehr umfassend und besteht zum Beispiel aus:

  • Mittagstisch
  • Betreuungs- und Unterstützungsangebote für Pflegebedürftige
  • Krabbelgruppen für Babys, Betreuung für Kleinkinder und Hausaufgabenbetreuung für schulpflichtige Kinder
  • Weiterbildungskurse für den (Wieder-)einstieg in den Beruf
  • Sprachkurse für Migranten
  • Tauschbörsen, Reparaturen u.v.m.

Unter https://www.mehrgenerationenhaeuser.de finden Sie Mehrgenerationenhäuser in Ihrer Region.

Von Mehrgenerationenwohnen spricht man, wenn ältere Menschen mit ihren Kindern und Enkelkindern oder guten Freunden aus mehreren Generationen unter einem Dach wohnen. Das ist zwar genau betrachtet auch ein Mehrgenerationenhaus, aber eben nicht im Sinne der Politik. Daher ist in diesem Zusammenhang immer vom „Mehrgenerationenwohnen“ die Rede. – Im allgemeinen Sprachgebrauch wird jedoch das Konzept des Mehrgenerationenwohnens mit dem Begriff Mehrgenerationenhaus gleichgesetzt, denn beides verfolgt das gleiche Prinzip: Die gegenseitige Unterstützung von Jung und Alt.

Beim Mehrgenerationenwohnen leben mehrere Parteien – egal ob Familienmitglieder, Freunde oder Gleichgesinnte – jeweils in ihrer eigenen Wohnung, sind aber (fast) jederzeit ansprechbar und unterstützen sich gegenseitig. Quasi wie in einer modernen Großfamilie. Tatsächlich haben viele Menschen diesen Traum und es gibt auch eine ganze Reihe erfolgreicher Wohnprojekte. Ein Modell der Zukunft für eine alternde Gesellschaft, sagt auch die Forschung.

Die Umsetzung ist dabei nicht immer einfach, denn schließlich müssen die unterschiedliche Interessen von Jung und Alt unter einen Hut gebracht werden.

Die sechs wichtigsten Überlegungen zum Mehrgenerationenwohnen sind:

  • Bewohner – Wer möchte beim Mehrgenerationenwohnen mitmachen?
  • Wohnobjekt – Wie groß ist das Haus oder die Wohnanlage?
  • Lage – Wo liegt das Haus oder die Wohnanlage? Müssen Sie eventuell in eine andere Stadt dafür ziehen?
  • Besitz – Besitzen die Bewohner bereits eine geeignete Immobilie oder möchten sie eine Immobilie dafür erwerben?
  • Kosten – Welche Kosten kommen auf die Bewohner zu?
  • Hausregeln – Sind Pflichten und Verantwortungen des Zusammenlebens klar geregelt?

Außerdem sollten Sie sich vor Einzug darüber unterhalten, wie Sie mit Aufgaben und Kosten des täglichen Lebens umgehen und wie Sie diese auf die Bewohner verteilen möchten. So können Konflikte vermieden werden bevor sie entstehen. Dazu zählen vor allem alltägliche Fragen der Haushaltsführung, Kosten für Reparaturen und die Verteilung des Besitzes. Klären Sie unbedingt im Vorfeld mit den anderen Bewohnern diese Fragen:

  • Kosten – Wer zahlt welche Reparaturen, Nebenkosten usw.?
  • Auszug– Was geschieht, wenn jemand aus dem Mehrgenerationenhaus auszieht?
  • Reinigung und Instandhaltung – Sind Aufgaben wie Treppenhausreinigung, Gartenpflege und Winterdienst klar verteilt?
  • Auto – Wenn Autos gemeinsam genutzt werden: Wer trägt die Kosten für Versicherung, Wartung, Reparatur und so weiter?
  • Gemeinschaftsräume – Gibt es gemeinsame Räume und Nutzflächen?
  • Privatsphäre und Raumaufteilung – Wie viel Privatsphäre räumen sich die Parteien gegenseitig ein? Wie kann Privatsphäre durch Raumaufteilung und Verhaltensregeln garantiert werden?

Vor- und Nachteile des Mehrgenerationenwohnens

Bewohner eines Mehrgenerationenwohnens profitieren in vielfältiger Weise voneinander:

  • Alle Mitbewohner bewahren sich ihre Unabhängigkeit und Privatsphäre mit einem privaten Wohnbereich.
  • Durch die Unterstützung der Jüngeren können ältere Menschen länger zuhause wohnen bleiben. Sie fühlen sich in einer Gemeinschaft sicher, geborgen und nicht einsam. Junge Leute und Kinder um sich zu haben, aktiviert und belebt die Älteren.
  • Ältere Bewohner können die Jüngeren bei der Kinderbetreuung entlasten, mit Ihren Erfahrungen zur Seite stehen, vielleicht auch Kochen, Backen oder sich um den Garten kümmern – je nach Rüstigkeit und Interesse
  • Alle jüngeren Generationen lernen das Älterwerden und Altsein ganz direkt kennen, Achtung und Respekt wachsen – und auch der gnädige Blick auf das eigenen Älterwerden.
  • Mit zunehmendem Unterstützungs- oder Pflegebedarf können jüngere Bewohner die Pflege für Ältere unter sich aufteilen und organisieren. Im Falle eines anerkannten Pflegegrads erhalten Bewohner Fördermittel für zum Beispiel den barrierefreien Umbau des Badezimmers.

Diese möglichen Probleme sollten Sie im Blick haben:

  • Die räumliche Nähe aller Generationen birgt auch Konfliktpotential – fragen Sie sich vor dem Einzug, wie weit Ihr Toleranzbereich und wie groß Ihre Kompromissbereitschaft ist.
  • Unter Umständen kann es zu einer übermäßigen Belastung für die „Sandwich-Generation“ kommen, die sich sowohl um die Älteren als auch um die Kinder kümmert und dabei ihre eigenen Bedürfnisse vernachlässigt
  • Bei pflegebedürftigen Bewohnern kann es dazu kommen, dass die Inanspruchnahme professioneller ambulanter oder stationärer Pflege häufig zu lange hinausgezögert wird.

Mehrgenerationenwohnen umsetzen

Vielleicht überlegen Sie, ob Sie dieses Vorhaben des Ihre Eltern zu sich in Ihr Haus holen oder gemeinsam ein Haus kaufen, in dem Sie zusammenleben können. Eine solche Investition kann sich steuerlich lohnen. Wenn Kinder zum Beispiel eine Immobilie kaufen und ihre Eltern darin eine abgeschlossene Wohnung anmieten, können sie einen Teil der Anschaffungs- und Renovierungskosten der Immobilie von der Steuer absetzen.

In vielen Familien ist es jedoch eher die ältere Generation, die über die nötigen finanziellen Mittel verfügt, um eine Immobilie zu erwerben. So können auch Eltern erwägen, ihren Kindern den Kaufbetrag für die Immobilie vorzuschießen. Mal als Darlehen, sodass die Kinder die Zinsen steuerlich geltend machen können, mal als zinslosen Kreditvertrag.

Sofern Sie als Familie keine eigene Immobilie besitzen, die sich für das Konzept des Mehrgenerationenwohnens eignet, können Sie sich auch über öffentliche Mehrgenerationenhäuser informieren. Oft steht hinter diesen Wohnprojekten eine Genossenschaft, die den Bau oder Umbau plant und sich auch um die gemeinsame Verwaltung kümmert.

Mehr Informationen zum Wohnen im Alter? Dann beachten Sie auch unsere Broschüren zum Thema “Gut wohnen im Pflegeheim” oder “Betreutes Wohnen”.

 

Pflegereform: Was sich ab 2022 für Sie ändert

Seit 1. Januar gilt die neue Pflegereform 2022. Beschlossen im Juni des Vorjahres, sieht sie finanzielle Entlastungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sowie höhere Versorgungsleistungen vor. Im Detail gibt es z.B. diese Änderungen:

  • Pflegeheimbewohner erhalten einen zeitlich gestaffelten Zuschuss von mindestens fünf Prozent zum Eigenanteil ihrer Pflege kosten.
  • Leistungsbeträge für Pflegesachleistungen wurden um fünf Prozent erhöht. Leistungsbeträge für Kurzzeitpflege um 10 Prozent.
  • Als Pflegebedürftiger werden Sie verstärkt darauf hingewiesen, dass Ihr Beratungsanspruch während des gesamten Pflegeprozesses gilt.
  • Außerdem: Ab dem 01.09.2022 können Pflegeeinrichtungen nur noch mit der Pflegeversicherung (Pflegekasse) abrechnen, wenn sie ihr Pflegepersonal nach Tarif bezahlen.

Die sogenannte Pflegereform ist am 1. Januar 2022 in Kraft getreten. Hier erfahren Sie, wer davon profitiert und welche Entlastungen für Pflegebedürftige und Angehörige beschlossen und umgesetzt sind.

Änderungen gibt es durch die Reform auch für Altenpfleger/Pflegekräfte in Pflegeeinrichtungen. Ab 01.09.2022 erhalten Einrichtungen Leistungen der Pflegekassen nur noch bzw. können mit diesen abrechnen, wenn sie ihre Pflegekräfte nach Tarif bezahlen. Außerdem: Pflegedienste können eigenständigere Entscheidungen bei der ambulanten Pflege treffen.

Die wichtigsten Änderungen durch die neue Pflegereform? Was ändert sich 2022 bei den Pflegekosten?

Diese Neuregelungen sieht das sogenannte Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) vor:

  • Heimbewohner (in Pflegeheimen und Pflegeeinrichtungen) erhalten je nach Pflegegrad und Aufenthaltsdauer im Heim Zuschüsse zu den Pflegekosten.
  • Der Betrag für Kurzzeitpflege wird erhöht.
  • Leistungsbeträge für Pflegesachleistungen (für ambulante professionelle Pflegedienste) werden erhöht.
  • Pflegebedürftige können Übergangspflege im Krankenhaus in Anspruch nehmen, auch ohne Pflegegrad.
  • Auf Beratungsmöglichkeiten soll laufend hingewiesen werden, z.B. immer dann, wenn eine neue Leistung beantragt wird.
  • Beträge für Pflegesachleistungen können leichter (ohne Antrag) für Entlastungsleistungen verwendet werden.
  • Pflegekräfte dürfen eigenständig Pflegehilfsmittel empfehlen. Die ärztliche Verordnung entfällt somit.
  • Bestimmte Ansprüche gelten nun über den Tod des Pflegebedürftigen hinaus.

Im Fokus der neuen Pflegereform stehen insbesondere die Pflegebedürftigen (mit Pflegebedürftigkeit ab Pflegegrad 2). Bei steigenden Ausgaben für Pflegedienste oder Heimunterbringung greift die Pflegeversicherung ihnen mit Zuschüssen und höheren Leistungen unter die Arme. Die wichtigsten Änderungen finden Sie hier:

Zuschüsse für Pflegeheimbewohner je nach Eigenanteil und Dauer Pflegebedürftige (ab Pflegegrad 2), die in einem Pflegeheim leben, bekommen einen Zuschuss zu den Pflegekosten. Wie hoch dieser ausfällt, richtet sich nach dem Eigenanteil des Heimbewohners. Und nach der Dauer der Unterbringung in der vollstationären Unterkunft:

Bis 12 Monate: 5 Prozent des Eigenanteils an den Pflegekosten Ab 12 Monaten: 25 Prozent des Eigenanteils an den Pflegekosten Ab 24 Monaten: 45 Prozent des Eigenanteils an den Pflegekosten Ab 36 Monaten: 70 Prozent des Eigenanteils an den Pflegekosten Der Eigenanteil variiert je nach Bundesland und beträgt durchschnittlich 911 Euro.

Wichtig: Der Zuschuss bezieht sich nur auf Pflegekosten (gegebenenfalls inklusive Ausbildungsvergütungen). Weitere Kosten wie für Unterkunft und Verpflegung im Heim zahlt der Pflegebedürftige in voller Höhe selbst. Siehe auch Ratgeber Pflegeheim-Kosten.

Fünf Prozent (5 %) mehr Pflegesachleistungen Pflegebedürftige, die ein professioneller ambulanter Pflegedienst zu Hause versorgt (ambulante Pflege), erhalten höhere Leistungsbeträge für Pflegesachleistungen. Das sind Dienstleistungen, die Mitarbeitende des ambulanten Pflegedienstes erbringen. Die Steigerung der monatlichen Leistungsbeträge um fünf Prozent ist unabhängig vom Pflegegrad.

Pflegegrad Monatlicher Leistungshöchstbetrag bis 31.12.2021 Monatlicher Leistungshöchstbetrag ab 01.01.2022
2 689 724
3 1.298 1.363
4 1.612 1.693
5 1.995 2.095

Zehn Prozent (10 %) mehr für Kurzzeitpflege: Bei der Kurzzeitpflege steigen die Leistungsbeträge pauschal um zehn Prozent. Statt wie bisher 1.612 Euro gibt es nun einen Maximalbetrag von 1.774 Euro pro Kalenderjahr für Kurzzeitpflege.

Übergangspflege im Krankenhaus wird mit der Pflegereform möglich: Neu durch die Pflegereform hinzugekommen ist die Möglichkeit der Übergangspflege im Krankenhaus. Ist ein Patient etwa nach einer Operation vorübergehend auf Pflege angewiesen, kann er sie direkt in der Klinik in Anspruch nehmen. Und zwar für bis zu zehn Tage je Krankenhausbehandlung. Voraussetzung ist, dass die Versorgung des Betroffenen nicht anders sichergestellt werden kann.

Wie unterscheiden sich Übergangspflege und Behandlungspflege? Die Übergangspflege ist nicht zu verwechseln mit der Behandlungspflege. Mit dieser erhalten Sie nach einem Unfall oder einer Krankheit medizinische Pflege im Alltag (ohne Pflegegrad, stationär oder ambulant). Behandlungspflege wird ärztlich verordnet. Die Kosten trägt Ihre gesetzliche Krankenversicherung oder Ihre private Krankenvollversicherung je nach Tarif. Im Gegensatz zur neuen Übergangspflege im Krankenhaus gibt es für die Behandlungspflege keine festgelegte Dauer. Die Erstverordnung gilt in der Regel 14 Tage.

Zu beachten: Eine endgültige Regelung für die Private Krankenversicherung steht noch aus (Stand März 2022).

Weitere Änderungen ab 01.01.2022 für Versicherte:

  • Nach dem Ableben des Pflegebedürftigen können Angehörige vorfinanzierte Pflegeleistungen erstattet bekommen.
  • Auf die Möglichkeit von Pflegeberatungen soll jetzt auch bei Beantragung zahlreicher Pflegeleistungen aktiv hingewiesen werden. Bislang war das nur bei der Beantragung des Pflegegrads der Fall.
  • Pflegesachleistungen lassen sich auch ohne vorherigen Antrag in Entlastungsleistungen umwandeln.
  • Auch Pflegekräfte dürfen nun die Versorgung mit Hilfsmitteln empfehlen. Die ärztliche Verordnung entfällt somit. Pflegekassen nehmen die Notwendigkeit des Hilfsmittels an und prüfen die Erstattung.

Alle weiteren Antworten finden Sie in unserem Ratgeber.

Digitale Diabetes-Therapie

Erleichterung für Menschen mit Diabetes Typ 1: Ein neues, digitales Diabetesmanagement hilft, die richtige Menge Insulin zu spritzen. Es ist das Ergebnis einer Forschungskooperation der TU Dresden und des Leipziger Start-ups diafyt MedTech im Rahmen der InnoHealth USA Kampagne der Fraunhofer-Gesellschaft und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).

Hier werden die innovativsten Ideen in den Bereichen digitale Diagnostik und intelligente Sensortechnik gefördert, um die amerikanische und deutsche Zusammenarbeit im Sektor Gesundheitsforschung zu stärken.

In Deutschland leiden derzeit etwa 340.000 Menschen unter Diabetes Typ 1, davon 32.000 Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren. Weil ihre Bauchspeicheldrüse das Hormon Insulin nicht mehr produziert, müssen sich Typ-1-Diabetiker regelmäßig Insulin spritzen, um ihren Blutzuckerspiegel zu regulieren. Die richtige Dosierung zu finden, stellt für sie eine große Herausforderung dar. Die Betroffenen müssen selbst die Insulinmenge berechnen die sie sich mehrmals täglich spritzen müssen. Das ist kompliziert und auch fehleranfällig – eine falsche Dosierung kann auf Dauer Organe schädigen oder sogar zum Tod führen.

Hier setzt das Konzept der Wissenschaftler an: Mithilfe künstlicher Intelligenz wollen die Forscher den Therapieerfolg und die Lebensqualität der Patienten steigern. An der TU Dresden wird bereits seit über zehn Jahren zu neuen Konzepten für Insulin-Injektionsgeräte geforscht, welche eine höhere Dosiergenauigkeit und kleinere Geräte ermöglichen.

Diafyt MedTech steuert einen Algorithmus zur Berechnung der optimalen Insulindosis für Typ 1 Diabetiker bei, der in eine Smartphone-App integriert wurde. Der Algorithmus beobachtet den individuellen Stoffwechsel des Patienten und berechnet dank künstlicher Intelligenz die benötigte Insulindosis selbstständig.

Verbunden wird das Ganze mit einem intelligenten Aufsatz für Insulin-Pens. Die smarten Spritzen ermöglichen zum einen eine bequeme und dosiergenaue Injektion, zum anderen übertragen sie auch die exakte Daten und Mengen per Bluetooth an die App, damit sie weiterlernen kann. Der smarte Insulin-Pen hat nun bereits erste Patiententests erfolgreich durchlaufen. – Hoffnung für alle Diabetes-Patienten, die sich regelmäßig Insulin spritzen müssen.

Diabetes wirkt sich auf viele Bereiche des Körpers aus

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, die sich auf viele Bereiche des Körpers auswirkt. Je nach Art des Diabetes kann der Körper entweder kein Insulin produzieren (Typ 1) oder das Insulin nicht ausreichend nutzen (Typ 2). Ohne Insulin kann der Körper die aufgenommene Nahrung jedoch nicht verwerten.

Normalerweise produziert die Bauchspeicheldrüse das lebenswichtige Hormon und gibt es in das Blut ab. Dort sorgt es dafür, dass der durch Essen und Trinken aufgenommene Zucker in die Körperzellen transportiert und dort in Energie für den Körper umgewandelt wird. Ohne Insulin kann der Zucker im Blut nicht genutzt werden und sammelt sich dort an. In der Folge verursacht eine sehr hohe Zuckerkonzentration im Blut eine Vielzahl von Beschwerden.

Um dies in den Griff zu bekommen, müssen Menschen mit Typ-1-Diabetes täglich Insulin spritzen, denn ihre Bauchspeicheldrüse produziert kein oder nur sehr wenig von diesem Hormon. Die Behandlung mit regelmäßig zugeführtem Insulin schützt vor zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels und den Gefahren durch Unter- und Überzuckerungen.

Diabetes erkennen

Bei Typ-1-Diabetes sind die Blutzuckerwerte ohne Behandlung dauerhaft erhöht. Dies ist zunächst nicht immer gleich spürbar. Ein stark erhöhter Blutzuckerspiegel kann jedoch im Anfang folgende Beschwerden verursachen:

  • häufiges Wasserlassen
  • starkes Durstgefühl
  • Müdigkeit und Antriebsschwäche
  • Übelkeit
  • Schwindel

Ist der Blutzuckerspiegel sehr stark erhöht, kann es auch zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit (diabetisches Koma) kommen.

In bestimmten Familien tritt Typ-1-Diabetes gehäuft auf, deshalb geht man von einem erblich bedingten, erhöhten Erkrankungsrisiko aus. Auch andere Einflüsse, wie bestimmte Infektionen oder Umweltfaktoren, spielen eine Rolle – jedoch lässt sich bisher noch nicht genau sagen, welche.

Meist beginnt die Erkrankung in der Kindheit, der Jugend oder im jungen Erwachsenenalter – nur selten bei älteren Menschen. Sie begleitet einen jedoch ein Leben lang.

Unbehandelt verursacht ein Typ-1-Diabetes rasch Probleme, die heute durch die Gabe von Insulin gut in den Griff zu bekommen sind. Ein diabetisches Koma durch eine extreme Überzuckerung ist heute sehr selten. Vor der Entwicklung der Insulintherapie im Jahr 1922 war es eine unvermeidliche Krankheitsfolge und führte zum baldigen Tod der Erkrankten.

Folge-Erkrankungen von Diabetes

Aber auch mit der Insulintherapie ist es nicht einfach, den optimalen Blutzuckerwert einzustellen. Sollten die Blutzuckerwerte über Jahre hinweg deutlich erhöht sein, kann das schwerwiegende und nicht mehr rückgängig zu machende gesundheitliche Folgen an vielen Organen nach sich ziehen. In erster Linie kommt es zu Schädigungen an den kleinen Blutgefäßen, die das Gewebe versorgen, z. B. der Netzhaut des Auges (diabetische Retinopathie) oder der Niere (diabetische Nephropathie). Diese können so schwer geschädigt werden, dass Erblindung oder Nierenversagen drohen.

Auch die Nerven können angegriffen werden (diabetische Neuropathie). Tastgefühl, Temperaturwahrnehmung und Schmerzempfinden sind dann beeinträchtigt. Weil Druckstellen und kleine Verletzungen nicht bemerkt werden, können schnell Wunden entstehen, die aufgrund der eingeschränkten Durchblutung schwer heilen.

Insulintherapie lebensnotwendig

Die tägliche Kontrolle des Blutzuckers und die regelmäßige Zufuhr von Insulin sind für Erkrankte daher lebensnotwendig. Bei der Insulintherapie ist es wichtig, weder zu viel noch zu wenig Insulin einzusetzen, damit der Blutzuckerspiegel nicht zu stark abfällt oder zu hoch steigt. Die Behandlung soll außerdem langfristige Komplikationen durch die Zuckerkrankheit so gut es geht vermeiden.

Die Höhe des Blutzuckerspiegels hängt nicht nur davon ab, wie viel Insulin man spritzt, sondern auch davon, was man isst und trinkt und wie viel Energie man durch körperliche Bewegung verbraucht. Ebenso können die Tageszeit, entzündliche Erkrankungen, andere Medikamente oder hormonelle Veränderungen den Blutzucker beeinflussen. Die meisten Menschen mit Diabetes lernen daher, ihre Insulintherapie genau an den eigenen Körper und die persönlichen Gewohnheiten anzupassen. Als ein wichtiges Hilfsmittel setzt das digitale Diabetesmanagement genau hier an, um Patienten die erfolgreiche Therapie zu erleichtern.

Diabetes ist zwar noch nicht heilbar – aber es ist möglich, das Leben mit der Erkrankung fast ganz normal zu gestalten. Die Therapie mit Insulin ist im Gegensatz zu früher sehr viel flexibler geworden. Menschen mit Diabetes können heute weitgehend selbst über ihre Behandlung entscheiden – und darüber, wie sie sie in ihren Alltag einbauen. Die Erkrankung bestimmt nicht mehr alle Aspekte des Lebens.

Weitere Informationen zum Thema Diabetes Typ II finden Sie in dieser Diabetes-Broschüre. Oder bestellen Sie ein Blutzuckermessgerät – gratis im Rahmen des BESSER LEBEN SERVICE!

Offene Badekur wieder Pflichtleistung der Kasse

Die „Offene Badekur“ kann wieder direkt vom Hausarzt verschrieben werden

Die ambulante Vorsorgemaßnahme (früher „Offene Badekur“) wird ab dem 01. Juni 2021 wieder Pflichtleistung der Krankenkassen nach § 23 SGB V. Das heißt, sie kann wieder – wie früher – direkt von Ihrem Hausarzt verschrieben werden. Nutzen Sie die Möglichkeiten, die daraus für Sie entstehen!  Denn seit vielen Jahren war die „ambulante Vorsorgemaßnahme“, so der offizielle Begriff aus dem § 23 SGB V, nur noch eine „Kannleistung“ – mit der Folge, dass die für viele Kurorte z. B. in Bayern oder Hessen so wichtige Form der Kur kaum noch genehmigt wurde.

Bemühungen der Kurbäder tragen Früchte

 Bemühungen, die Badekur wieder zur Pflichtleistung zu machen, gab es seit langer Zeit von verschiedensten Seiten, allen voran vom Bayerischen Heilbäderverband. Neue Fahrt nahm die Diskussion auf, als am Pfingstmontag 2020 in Bad Birnbach Kommunalpolitiker und zahlreiche Angehörige der Branche aus dem ganzen Bäderdreieck, von den Beherbergern über das Gastropersonal bis hin zu Therapeuten und Badeärzten, für die geordnete Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdown im Rahmen einer Kundgebung auf die Straße gingen.

Es war damals quasi die erste Amtshandlung der neu gewählten Bad Birnbacher Bürgermeisterin Dagmar Feicht, die dabei von ihren Kollegen Jürgen Fundke aus Bad Griesbach und Tobias Kurz aus Bad Füssing unterstützt wurde. Die Appelle der drei Rathauschefs an die Politik blieben nicht ohne Widerhall. Schon damals sagten MdB Max Straubinger und Landtagsabgeordneter Martin Wagle ihre volle Unterstützung zu. Es folgten Taten. Gemeinsam mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kündigte Max Straubinger in einem PNP-Interview im Spätherbst die Rückkehr der Badekur an. Nun scheint das Projekt auf der Zielgeraden zu sein. „Am 26. Februar war die erste Lesung im Bundestag“, sagte Max Straubinger. „Wenn alles planmäßig abläuft, steht es zum 1. Juni im Bundesgesetzblatt“, sagt der Politiker und sieht das Projekt „auf einem sehr guten Weg“. Es könnte im günstigsten Fall sogar noch etwas schneller gehen.

„Das sind gute Nachrichten“, freut sich Bürgermeisterin Dagmar Feicht, die insbesondere Max Straubinger, Martin Wagle und Walter Taubeneder für ihren Einsatz dankt und nun auf eine unkomplizierte Beantragungs- und Genehmigungspraxis hofft. Der Impuls dazu sei wesentlich von Bad Birnbach ausgegangen, erinnert sie an die Kundgebung. Ähnlich wie vor einem Jahr brauche man nun aber auch verlässliche Öffnungsperspektiven. „Dass wir gute und belastbare Hygienekonzepte haben, konnten wir im vergangenen Sommer bereits eindrucksvoll beweisen“, sagt Feicht und pocht auf eine baldige, zeitgleiche Wiedereröffnung von Beherbergungsbetrieben, Gastronomie, Einzelhandel und vor allem der Rottal Therme.

Mit der Badekur alleine ist es freilich nicht getan – so jedenfalls die Meinung von Viktor Gröll, dem Leiter der Kurverwaltung. Das ländliche Bad wolle sich in jedem Fall weiter entwickeln und eine Vorreiterrolle einnehmen, sagt er mit Verweis auf das erfolgreich mit der Ludwig-Maximilians-Universität entwickelte Anti-Stress-Programm „AGES – Aktiv gegen Erschöpfung und Stress“. Mit der Badekur und innovativen Konzepten entstehe eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten. „Wenn die Arbeitsplätze gesichert werden, profitieren die Sozialversicherungssysteme. Wenn Menschen länger fit und gesund bleiben, werden diese geschont. Diese Rechnung wird aufgehen, sind sich Bürgermeisterin Dagmar Feicht und Walter Niedermeier einig.

Badekur für gesetzlich Versicherte

Ab 1. Juni wird die ambulante Vorsorgemaßnahme also wieder Pflichtleistung der Krankenkassen. Was heißt das nun für Sie:

Eine offene Badekur dauert in der Regel drei Wochen. Nach der Genehmigung Ihrer Kur buchen Sie Ihren Aufenthalt und geben dem Hotel dabei Bescheid, dass Sie eine Badekur machen. Dieses vereinbart für Sie alle Termine beim Badearzt, in der Praxis für Physiotherapie oder andere auch ortsspezifische Heilmittel wie z. B. in einer Therme.

Nach der Anreise geht es zuerst zum Badearzt, der Ihnen Ihre individuell auf Sie zugeschnittenen täglichen Anwendungen wie Thermalbaden, Massagen, Fango oder Krankengymnastik verschreibt. Für Sie fallen lediglich die einmalige Rezeptgebühr in Höhe von 10 € sowie 10 % Eigenanteil auf die verordneten Leistungen an. Viele – eigentlich fast alle – Krankenkassen gewähren Ihnen außerdem einen Zuschuss auf die Übernachtung – zwischen 13 € und 16 € pro Person und Tag. Das heißt, dass Sie für Ihren 3-wöchigen Aufenthalt im Hotel z. B. 350 € pro Person von Ihrer Krankenkasse erstattet bekommen. Die Hotelrechnung reichen Sie einfach nach Ihrer Abreise bei Ihrer Krankenversicherung ein.

Offene Badekuren stehen allen Versicherten (sowie den mitversicherten Familienmitgliedern) aller gesetzlicher Krankenkassen wie AOK, Barmer, TK, DAK usw. zu – unabhängig vom Alter!

Sonderform Kompaktkur

Eine Sonderform der Badekur ist die sogenannte Kompaktkur. Während bei der Badekur kein fester Ablauf definiert ist, gibt es hier klare Konzepte und festgelegte Abläufe – das ist wichtig bei Programmen wie „AGES – Aktiv gegen Erschöpfung und Stress“. Bei AGES dauert der Erstaufenthalt zwei Wochen, nach einem halben Jahr erfolgt ein Auffrischungskurs, der den Erfolg dauerhaft sichert, wie die Studie der LMU bestätigt hat. Die Kompaktkur kann als solche beantragt und genehmigt werden. Aber auch eine genehmigte „Ambulante Vorsorgemaßnahme“ kann durch den Badearzt in eine Kompaktkur umgewandelt werden.

Kur abgelehnt – Einspruch

Sollte die Krankenkasse den gestellten Kurantrag ablehnen, lohnt es sich dagegen Einspruch zu erheben. Oftmals setzen die Krankenkassen offenbar auf Unwissenheit bei den Versicherten, denn die Erfahrung zeigt, dass zwei von drei abgelehnten Anträgen auf ambulante Kuren in den deutschen Heilbädern nach einem Einspruch genehmigt werden. Auch wenn die Zahl der ambulanten Badekuren in den letzten Jahren deutschlandweit gesunken ist, dürfen Versicherte alle drei Jahre eine Kur bei Ihrer Kasse beantragen.

Allerdings gibt es neben den klassischen ambulanten und stationären Kuren auch weitere Möglichkeiten, um Zuschüsse für einen Aufenthalt zu erhalten. Einige Krankenkassen bieten den Versicherten sog. Präventionswochen. Schwerpunkte bei dieser Krankheitsvorbeugung sind Entspannung, Bewegung und Ernährung. Die Kassen übernehmen hierbei die gesamten Kosten für das medizinische Programm. Sie selbst bezahlen nur die Anreise, Übernachtung und Verpflegung. Jeder Versicherte kann dieses Angebot ohne Antrag oder ärztliche Genehmigung nutzen. Informieren können Sie sich direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Kuren in der privaten Krankenversicherung

In der privaten Krankenversicherung besteht grundsätzlich kein Anspruch auf Kostenerstattung bei Kuren. Damit unterscheidet sich die PKV deutlich von der GKV. Allerdings gibt es für Versicherte dennoch Möglichkeiten, sich für Kuren oder Reha-Aufenthalte abzusichern. Denn gemäß den Musterbedingungen zur Krankheitskostenversicherung aus dem Jahr 2009 sind Private Krankenversicherungen nicht verpflichtet, Kosten für Kuraufenthalte oder Behandlungen in Sanatorien zu erstatten. Selbst bei Reha-Maßnahmen ist die PKV nicht in der Leistungspflicht. Die Versicherungsgesellschaften gehen hier davon aus, dass Arbeitnehmer ohnehin zunächst durch die Sozialversicherungsträger abgesichert sind.

Die PKV erstattet somit Kuren standardmäßig nicht. Jedoch können einzelne Tarife Ausnahmen vorsehen, die eine Kostenerstattung für Kur- oder Sanatoriumaufenthalte möglich machen. Darüber hinaus kann fehlender Versicherungsschutz durch Zusatzversicherungen ergänzt werden. Grundsätzlich gilt: Privat Versicherte sollten im Vorfeld einer Kur oder einer Reha-Maßnahme genau abklären, ob und in welchem Rahmen ihre Versicherungsgesellschaft die Kosten übernimmt.

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