Einsamkeit macht krank

Broschüre 36

BESSER LEBEN Ratgeberbroschüre

Ob durch Digitalisierung, Urbanisierung oder gesellschaftlichen Wandel: Immer mehr Menschen fühlen sich einsam. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen einen Anstieg der Single-Haushalte zwischen 1991 und 2019 von 17 auf 42 Prozent. Alleine zu wohnen führt nicht automatisch zu Einsamkeit. Kommen jedoch Extremsituationen wie die Kontaktbeschränkungen in der Coronakrise hinzu, kann dies in sozialer Isolation enden. Die gute Nachricht: Einsamkeit ist kein Schicksal. Es gibt heute viele Therapie- und Interventionsmöglichkeiten, um auch ältere Personen wieder zurück in die Gemeinschaft zu führen. Zumal die Wissenschaft den Wert sozialer Teilhabe erkannt hat. Renommierte Mediziner wie Manfred Spitzer, Leiter der Psychiatrischen Universitätsklinik in Ulm, haben dieses Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Bestsellerautor bezeichnete Einsamkeit gar als „Todesursache Nummer 1 in den westlichen Ländern“.

Warnsignal der Evolution
Einsamkeit kann die Entstehung zahlreicher Krankheiten begünstigen. Obwohl es sich um ein subjektiv empfundenes Gefühl handelt, sind die Auswirkungen auf den Organismus enorm. Eine verblüffende medizinische Tatsache liefert hierfür den Beweis. Schmerzen und Einsamkeit werden im selben Teil des Gehirns verarbeitet, im anterioren zingulären Kortex, kurz ACC. Untersuchungen in der Magnetresonanztherapie (MRT) belegen dies durch funktionelles Neuroimaging. Die erstellen Bilder verdeutlichen, welche Gehirnbereiche unter bestimmten Einflüssen aktiviert werden.
Aus Sicht der Evolution macht die Kopplung von Einsamkeit und Schmerzen Sinn. Damit unsere Vorfahren in der Steinzeit überleben konnten, war es nicht nur wichtig, körperlich unversehrt zu bleiben. Der Schutz der Gemeinschaft war ebenso entscheidend. Wurde ein Mitglied aus seinem Stamm ausgeschlossen, kam dies einem Todesurteil gleich. Ob Nahrungsbeschaffung, Schutz vor Elementen, Raubtieren, verfeindeten Stämmen – um den Bedingungen der Wildnis zu trotzen, war das Zusammenspiel der Gruppe unabdingbar. Schmerzen machen auf Missstände im Organismus aufmerksam, ähnlich wie Hunger. Dieselbe Funktion erfüllt Einsamkeit. Sie soll den Impuls setzen, wieder Anschluss zu suchen. Weitere Studien bestätigten den Zusammenhang. Wissenschaftler fügten Probanden experimentell Schmerzen zu und zeigten ihnen dabei Fotos von ihrem Partner, fremden Personen und Objekten. Das Schmerzempfinden nahm nur bei Betrachtung des Partners ab.
Biologisch gesehen aktiviert Einsamkeit ein körperliches Notfallprogramm, welches den Körper in einen Stresszustand versetzt. Jahrtausende der Zivilisation haben daran nichts geändert. Dieses genetische Programm ist noch heute in uns angelegt. Einsamkeit erzeugt Stress. Stress ist Mitauslöser vieler Krankheiten.

Höheres Risiko für Schlaganfälle
Stress an sich ist nichts Schlechtes. Er sichert uns bei unmittelbarer Gefahr im Kampf- und Fluchtmodus das Überleben. Stresshormone wie Cortisol, Adrenalin und Noradrenalin treiben den Blutdruck nach oben, damit die Muskeln besser durchblutet werden. Auch der Blutzuckerspiegel steigt, um dem Körper schnelle Energie zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig werden alle in dieser Akutsituation nicht notwendigen Funktionen gedrosselt, wie Verdauung, Zellregeneration oder Immunabwehr.

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Weitere Inhalte:

  • Isolation schwächt Immunabwehr
  • Sozialkontakte steigern Lebenserwartung
  • Allein bedeutet nicht einsam
  • Im Alter besonders anfällig
  • Was kann Betroffenen helfen? – Wege aus der Isolation
  • Sonderfall Corona: schwierige Zeiten meistern
  • Neue Kontakte knüpfen

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